Domsen

Hinter der Kirche führt ein Weg in die Wiesen. An dem verfüllten Klärbecken vorüber gelangt man in wenigen Minuten in eine relativ intakte Aue. Vor uns erhebt sich der Angerberg aus dem Felde jenseits der Grunau. Der Weg führt bis zur neuen Straße Wuschlaub-Tornau. Dort quert man den Bach und hält sich nach wenigen Metern wieder an einen rechts in den baumbestandenen Wiesen verschwindenden Fahrweg. Das Grunautal ist hier von einer steilen, bewaldeten Böschung begrenzt. An einigen Stellen liegen in dieser Böschung versteckte Kiesgruben. Der Weg folgt dem Böschungslauf und gewinnt in einer Hohle rasch an Höhe. Am Kirchhof Domsen betritt man wieder feste Straße. Die Kirche ist ein Umbau aus dem vorigen Jahrhundert. Bemerkenswert ist die jetzt allerdings verfallende private Gruftkapelle der Familie des Rittergutsbesitzers Reuter aus der zweiten Hälfte des 19. Jh. Von der Kirche zum Dorfe führt eine Gasse an der früheren Schule vorbei. Der nördliche Teil des Ortes ist von seiner Anlage her ein Gassendorf. Ein kurzer Weg führt zum ehemaligen Rittergut. Dessen Ausdehnung lässt sich bei einem Blick auf die baulichen Reste ahnen, die alte Karte (Bild 4) liefert ergänzende Informationen.

Im 15. Jh. heißt es zum Jahre 1299 "Domascowe", 1487 im Zehntverzeichnis des Klosters Pegau "Thomaßaw", 1616 "Dombßen". Ein "Albertus de Domasov" wird für das Jahr 1333 genannt.
Der nach dem Ort benannte Tagebau Domsen, nördlich und östlich der Ortslagen Söhesten-Tornau-Domsen gelegen, wurde im Jahre 1959 aufgeschlossen. Der Aufschlussabraum wurde im Zugbetrieb nach dem westlich von Göthewitz gelegenen Restloch Carl Bosch gefahren und dort in mehreren Absetzerscheiben verstürzt. Die Überflurkippe Bosch hat den Talcharakter im Bereich Wuschlaub bis Göthewitz stark verändert. Nachdem der Tagebau genügend weit auf geschwenkt war, wurde ein Innenkippenbetrieb eingerichtet. Nur ein kleiner Teil der Innenkippe erreichte im Gebiet nordöstlich von Söhesten die alte Geländeoberfläche (Flurkippe). Der sich östlich anschließende Bereich blieb als Unterflurkippe etwa 10 bis 12 Meter unter dem angrenzenden Geländeniveau. Nach der Stundung des Betriebes wurde in den Jahren 1970/71 das Baufeld 1 in seine planmäßige Endstellung gefahren. Dabei waren abraumseitig ein Schaufelradbagger und ein Bandabsetzer mit Bagger- und Kippentrossenbändern im Einsatz. Die in diesem Zusammenhang geschüttete Unterflurkippe ist als keilförmige Tafel im Restloch nordöstlich von Domsen zu erkennen. Der Rohkohletransport erfolgte im regelspurigen Zugbetrieb. Hierzu war die ehemalige Carl-Bosch-Bahn (Kohlenbahn 3) von der Werkstatt Deumen aus in das Baufeld Domsen verlängert worden. Im Verlaufe des Bahnbaues wurden die Straßen Deumen-Wuschlaub und Wuschlaub-Tornau teilweise verlegt sowie westlich von Tornau ein Geländeeinschnitt angelegt und ein Tunnelbauwerk errichtet.
Der Tagebau Domsen wurde nur bis zum Ende des ersten Baufeldes betrieben. Die Kopf- und Endböschungen wurden anschließend abgeflacht. Das Baufeld 1 befindet sich derzeit im Restlochstadium. Ohne die Grubenbahnzufahrt sind diesem Tagebau etwa 360 ha landwirtschaftliche Nutzfläche in den Gemarkungen Großgrimma und Muschwitz zum Opfer gefallen.

Die sozialgeschichtlich wertvolle und architektonisch interessante Landarbeitersiedlung ("Frönerei") wurde im vorigen Jahrhundert südlich vom Rittergut auf dem Gelände der Gutsgärten angelegt . Diese Gebäudegruppe verdient eine denkmalpflegerische Behandlung. Am Haus Thomas-Münzer-Straße Nr. 10 führt ein Fußpfad zum Flurteil "Hinter den Gärten" und weiter am Rande der Hochfläche entlang nach Mödnitz.
Wir verweilen in Domsen, gehen zur Straßenkreuzung am oberen Dorfende und benutzen die nach Süden verlaufende alte Straße in Richtung B176. Auf halbem Wege zwischen Domsen und Grunau steht ein einzelnes Gehöft. Hier stand früher eine Windmühle in Mödnitzer Flur. Vom oberen Talrand reicht der Blick weit über die Orte im Grunautal. Die Straße wurde in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts auf preußische Art chaussiert und ist in diesem Zustand bis heute erhalten. Das Stück bis zur B176 sollte man als lokales Denkmal der Verkehrsgeschlchte unverändert erhalten. Die Fahrbahn ist mit Bruchsteinen gepflastert, jedoch aus Sparsamkeitsgründen nicht über die volle Breite. Der Rest ist als Kiesweg angelegt und wird als "Sommerweg" bezeichnet.
Es lohnt sich, die  B176 bis zu ihrem Ende am Tagebaurestloch Profen-Nord zu verfolgen. Vor uns liegt der kilometerlange Schlauch des ehemaligen Förderbrückenbetriebes. Rechts vom Standort fand der Tagebau Anfang 1990 sein Ende an der Trasse der früheren Abraumbahn Profen-Einheit. Linkerhand dehnt sich bis nach Werben ein riesiges Kippengelände. An der Halde Bösau ist ist der größte Schaufelradbagger des Zeitz-Weißenfelser Reviers abgestellt.

Weiter geht die Wanderung nach Grunau

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